© Hofmann&Lindholm
Naughty Boys and Girls © Hofmann&Lindholm
© Hofmann&Lindholm

Naughty Boys and Girls

Videoinstallation

Hofmann&Lindholm laden zu einer Gegenüberstellung in eine Schreckenskammer der Pathosformeln ein - und fragen nach Schuld und Vergebung.

Ausgangsmaterial der Videoinstallation, die im Rahmen des Asphalt-Festivals erstmals gezeigt wird, sind 13 Porträts von Personae non gratae aus Geschichte und Gegenwart, von Straftäter*innen, Attentäter*innen, Diktatoren und Verurteilten wie Josef Mengele, Mohammed Atta oder Anders Breivik. Diese haben Hofmann&Lindholm filmisch animiert und präsentieren sie als einen Chor grotesker Mimen: Sie verziehen die Gesichter, als würden sie nach Mitleid heischen oder Aufmerksamkeit suchen. Und erklären handpuppengleich, dass es ihnen leid tut.

Der Schrecken, der von NAUGHTY BOYS AND GIRLS ausgeht, liegt im Kontrast begründet, der sich zwischen der Verharmlosung der Personen und dem Wissen um das Ungeheuerliche ihrer Taten auftut.

WDR 5 SCALA, vom 15. Juli 2019

Konzept / Realisation: Hannah Hofmann, Sven Lindholm
Technische Beratung / Support: Oli Monn (Animation), Bojan Vuletic (Ton), Marco Schretter (Präsentation)
Mit besonderem Dank an Iain Thomas Baird, Wobamedia

NAUGHTY BOYS AND GIRLS ist eine Produktion im Auftrag des asphalt Festivals, gefördert vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW im Rahmen des Projektes #HumanBeingHuman. Hofmann&Lindholm werden im Rahmen der Spitzenförderung Theater durch das Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes NRW gefördert.

Termine
11. Juli 2019
Vernissage

Weltkunstzimmer (Lagerraum)
Ronsdorfer Str. 77a
40233 Düsseldorf
12. – 13. Juli 2019
Weltkunstzimmer (Lagerraum)
Ronsdorfer Str. 77a
40233 Düsseldorf
15. – 21. Juli 2019
Weltkunstzimmer (Lagerraum)
Ronsdorfer Str. 77a
40233 Düsseldorf
Rezensionen
nachtkritik, 17. Juli 2019
Hitler sagt Sorry
Galerie des Schreckens. "Human being human" lautet das Motto des in diesem Jahr zum siebten Mal stattfindenden Festivals. Es könnte aber auch "Human being inhuman" überschrieben sein. Denn ein Aspekt des Menschlichen ist ausgerechnet die Fähigkeit, wenn nicht gar die Neigung des Menschen, sich durch und durch unmenschlich zu verhalten. Diesem eben nur scheinbaren Widerspruch gehen Christof Seeger-Zurmühlen und Bojan Vuletić mit einer ganzen Reihe von Projekten und Koproduktionen nach. So ist etwa die Videoinstallation "Naughty Boys and Girls" von Hofmann&Lindholm als Auftragswerk für das Asphalt Festival entstanden. Dreizehn animierte Porträtbilder von Kriegsverbrechern und Serienkillern, von Terroristen und Diktatoren, von Kinderschändern und Massenmördern, werden in einer Reihe auf die Längswand eines abgedunkelten Ausstellungsraums projiziert. Es ist eine Galerie des Schreckens, mit der Hannah Hofmann und Sven Lindholm die Betrachter*innen konfrontieren. Entsprechend irritierend wirkt der Titel der Installation. Adolf Hitler und Augosto Pinochet, Marc Dutroux und Fritz Haarmann waren nun einmal alles andere als "ungezogene Jungen". Aber in den von Hofmann&Lindholm bearbeiteten Bildern, in denen sie fortwährend die Augenbrauen hochziehen und ein unschuldiges, auf verschmitzte Weise schuldbewusstes Gesicht machen, präsentieren sie sich genau so. Als wäre ein Genozid auch nur ein Dummer-Jungen-Streich. Zudem murmeln sie austauschbare Entschuldigungsfloskeln, die einem Schauer über den Rücken treiben. Und je länger man in diese leicht verfremdeten Gesichter schaut, desto klarer zeichnet sich das Antlitz der Menschheit ab. Wie leicht lässt sich doch jede noch so grausame Tat entschuldigen und jede Barbarei rechtfertigen. Und wie schnell sind Menschen dazu bereit, das eine wie das andere zu akzeptieren. Die Bilder der "Naughty Boys and Girls" gehen einem auch an den folgenden Festivaltagen nicht aus dem Kopf. Sie begleiten einen auf Schritt und Tritt, wie Gespenster, die einen unentwegt verfolgen. Aber sie schärfen auch den Blick für vergangene Ereignisse und gegenwärtige Entwicklungen wie die in Brasilien.
Sascha Westphal