© Hannah Hofmann
Serie Deutschland © Hannah Hofmann
Serie Deutschland© Hannah Hofmann
Serie Deutschland© Hannah Hofmann
Serie Deutschland© Hannah Hofmann
Serie Deutschland© Hannah Hofmann
Serie Deutschland© Hannah Hofmann
Serie Deutschland© Hannah Hofmann
Serie Deutschland© Hannah Hofmann
© Hannah Hofmann

Serie Deutschland

4-Kanal-Videoinstallation

Seit 2008 re-inszenieren Hofmann&Lindholm Fotografien, die aufgrund ihrer medialen Verbreitung das Bildgedächtnis der Deutschen nachhaltig geprägt haben. Dabei handelt es sich um Ereignisse nach 1945, wie beispielsweise die Unterzeichnung des Grundgesetzes durch Konrad Adenauer (1949), die Entführung Hanns-Martin Schleyers durch die RAF (1977) oder das ‚Gladbecker Geiseldrama’ (1988). Jeweils vier gleichstarke Personengruppen greifen ein bestimmtes Motiv an seinem Entstehungsort auf.

Als würde der Schein der Bildoberflächen trügen, wird die Fotografie als Schlüsselbild minutiös in Handlung - und damit in eine filmisch-kontinuierliche Beziehungsbildung aller sichtbaren Ebenen - rückübersetzt. Hiermit fordern Hofmann&Lindholm nicht allein zur Haltungsfindung auf: Indem sie die Referenzbilder als Handlungsanweisungen begreifen, laden sie Beteiligte und Rezipierende gleichermaßen dazu ein, sich ins Verhältnis zu setzen und thematisieren die Relation zwischen Einzelnem und sozialer Rolle in gesellschaftlichen Zusammenhängen. Es handelt sich um die exemplarische Umsetzung einer konzeptuellen Strategie: der inszenierten Re-Lektüre.


Mit: BürgerInnen und Bürgern aus Köln, Bonn, Warschau, Düsseldorf, Frankfurt und Nürnberg
Konzept, Schnitt, Ton:
Hannah Hofmann, Sven Lindholm
Produktionsleitung: Anne Kleiner / Alexandra Schmidt
Technische Beratung: Timm Lange, Kevin Barz
Kamera: Hannah Hofmann, Sven Lindholm, Timm Lange, Kevin Barz
Mitarbeit: Kathrin Felzmann, Fabian Offert, Petra Steuber

'Serie Deutschland' ist eine Koproduktion von Hofmann&Lindholm mit der Bundeszentrale für politische Bildung - bpb im Rahmen des 7. Festivals für Politik im freien Theater, sowie dem Goethe-Institut (Warschau) und dem HAU (Berlin). Mit freundlicher Unterstützung durch das Kulturamt der Stadt Köln und das ASPHALT Festival. Gefördert durch das Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen und die Kunststiftung NRW.

Termine
8. – 17. August 2014
Asphalt-Festival

Weltkunstzimmer (Düsseldorf)
20. April – 8. Juli 2012
RAY 2012 - MAKING HISTORY

Frankfurter Kunstverein (Frankfurt a.M.)
9. Oktober 2010 – 30. Januar 2011
Überblendungen. Das Zukünftige rekonstruieren

Shedhalle (Zürich)
26. Mai – 1. Juni 2010
Polski Express III - The Promised City

HAU (Berlin)
14. – 23. November 2008
Politik im freien Theater

Ausstellungsraum Maastrichterstraße (Köln)
Rezensionen
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23. April 2012
Gestohlene Stemperl, verschlossene Türen
Die Sorgfalt, mit der die Laien sich hineintasten in ihre Rollen, wie sie aus den friedlichsten Verrichtungen hinüberrutschen in die Pathosformel, an der etwas Beiläufiges hängenbleibt aus dieser alternativen Vorgeschichte - das hat etwas Anrührendes. [...] Das Experiment von Hofmann & Lindholm zeigt, dass es eben doch sprechende Gesten gibt, die zu Erinnerungsträgern werden und in ähnlicher Weise einen historischen Schauplatz heraufbeschwören wie Demands Tatorte die flüchtigen Täter. Nicht Optik und Hirnforschung allein können erklären, wie das Bildgedächtnis funktioniert, das wir uns als ein Vermögen des ganzen Körpers vorstellen müssen. Wie machen dann Bilder Geschichte? Indem sie Bewegungsabläufe fixieren, in die man wie von selbst wieder hineinfindet.
Patrick Bahners
Theater als Zeitmaschine. Transkript, 2012
Geschichte wird nachgemacht. Serie Deutschland von Hofmann&Lindholm und Deutschland 2 von Rimini Protokoll als künstlerische Reenactment
Die Konstruiertheit der Erinnerung an historische Ereignisse wird nicht zuletzt durch die spezifische Wahrnehmungssituation kenntlich, durch die der Betrachter der Installation [von Hofmann&Lindholm] im Ausstellungsraum die eigentümliche Bildwerdung verfolgt. Die Pupillen der Betrachter springen hin und her, um zwischen den Projektionen einen Abgleich herzustellen. Dabei wird man zugleich vielfältiger Differenzen gewahr, die dem Betrachter der Installation im wahrsten Sinne des Wortes vor Augen führen, dass der Eindruck, den er sich macht, in sich gebrochen, überlagert oder verschoben ist. Man wird des eigenen Eindrucks nicht recht Herr, wobei die performative Dimension der Installation darin besteht, dass sie im Ausstellungsraum eine Art Aufführungssituation schafft, die den Betrachter die Prozessualität der eigenen Wahrnehmung und Aufmerksamkeitslenkung erfahren lässt.
Jens Roselt
Vorführen und Verführen. Transkript, 2011
Einbildung, Täuschung, Realität. Zur imaginativen Komponente der Fotografie
Hofmann&Lindholm veranschaulichen die performative Dimension der Fotografie, indem sie die Mittel des Theaters sowie des Films einsetzen und auf diese Weise den unverfügbaren Augenblick des fotografischen Aktes (qua Festhalten eines außerbildlichen Hic-et-nunc-Zustandes) als abhängige Variable des medialen Arrangements darstellen. Damit problematisieren sie Theorien, die die indexikalische Leistung der Fotografie an den einzigartigen Moment binden, in dem der Auslöser des Apparates betätigt und das Negativ belichtet wird.
Lutz Ellrich